Geschichte der Steinheimer Rektoratsschule (Folge II)

1864 wurde die Schule mit 23 Schülern eröffnet

Der Wunsch nach einer Schulform, Schüler auf den Besuch einer höheren Schule, sprich eines Gymnasiums vorbereiten sollte, war in Steinheim klar erkennbar. Nach einer längeren Phase der Vorbereitung konnte 1864 eine Rektoratsschule eröffnet werden. Der erste Rektor Thomas Parensen wurde "in Anwesenheit von Mitgliedern des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung in sein Amt eingewiesen", heißt es in den Dokumenten. Am 1. Oktober des Jahres nahm die neue Schule ihre Arbeit auf.

In diesem Beitrag geht es um die ersten Schritte der Schule, die zu Beginn 23 Schüler besuchten. Ihre Namen hat Vikar Parensen fein säuberlich erfasst und aufgeschrieben. Es waren Carl Berkenkamp (Rolfzen), Johannes Göhres (Eichholz), Alex Katzenstein (Steinheim), Carl Krekeler (Steinheim), Bernhard Krekeler (Steinheim), Bernhard Lammers (Steinheim), Selli Meier (Steinheim), Joseph Pollmann (Steinheim), Alois Redeker (Steinheim), Carl Redeker (Steinheim), Werner Rohden (Steinheim), Joseph Rohden (Steinheim), Alois Schrader (Steinheim), Carl Schrader (Steinheim), Carl Siegmann (Lügde), Carl Spilker (Steinheim), Siegfried Steinfeld (Steinheim), David Steinfeld (Steinheim), Simon Steinfeld (Steinheim), Joseph Stiedel (Steinheim), Wilhelm Wiethaup (Steinheim), Ludwig Lilienthal (Steinheim). Unter den Genannten waren sechs Kinder aus jüdischen Familien. Einer, der Schüler Carl Siegmann stammte aus Lügde, der scheinbar dem Vikar nach Steinheim gefolgt war. Dass es keine kirchliche Schule war, wird aus der Tatsache ersichtlich, dass die königliche Regierung in Minden den Stundenplan für die Jahre 1864/1865 genehmigen musste.

Vor Aufnahme des Schulbetriebs war kräftig die Werbetrommel gerührt worden, wie aus einem Schreiben des Wegebauaufsehers R. von 1865 hervor geht. Ihm war eine Zusage zum Schulgeld gemacht worden. Sollten die Schüler insgesamt 300 Taler aufbringen, wäre das darüber hinaus gehende Schulgeld als Ermäßigung auf alle Schüler verteilt worden. Zum Vergleich: das Gehalt des Bürgermeisters war 1860 auf 500 Taler im Jahr festgesetzt. Er schickte daraufhin seine beiden Söhne in die Rektoratsschule. 1865 wurde so bei 24 Schülern ein Überschuss von 60 Talern erlöst, was zu einer Ermäßigung von zweieinhalb Talern pro Schüler führte. Das Schulgeld von 15 Talern zu reduzieren, sah der Magistrat keine Veranlassung, jedenfalls so lange nicht, wie durch das eingehende Schulgeld das Gehalt des Rektors nicht vollständig abdecke. Seit 1866 befand sich das Schullokal im früheren Magistratsbüro im Rathaus.

 Die Schülerzahlen schwankten unter dem Rektorat Parensens um die zwanzig, was schon bald Konsequenzen auslöste. Am 6. August 1867 hat der Magistrat zu einer "Berathung über die Erfordernisse zum Fortbestand der Rektoratsschule" eingeladen. Dabei wurde über die Anstellung eines zweiten Lehrers nachgedacht: der jeweilige Kaplan sollte beim Unterrichten helfen. Hintergrund war offenbar, dass der Unterricht anziehender gemacht werden sollte und damit auch die Attraktivität der Schule.  Zugleich wollte man das Schulgeld auf 20 Taler anheben. Rund ein Dutzend Steinheimer Bürger verpflichteten sich per Unterschrift ihre Kinder zur Rektoratsschule zu schicken. Ihr Versuch, das Schulgeld bei Krankheit oder anderweitigem Fehlen zu kürzen, war in dem schriftlich formulierten Vertrag ausdrücklich ausgeschlossen.

Laut Beschluss vom 3. Oktober 1867 wurde statt des Kaplans der Volksschullehrer Dirichs für ein halbes Jahr mit neun Stunden in der Woche an der Rektoratsschule als "Hülfslehrer" eingestellt. Die Entlohnung betrug für den angegebenen Zeitraum 25 Taler und Schulgeldfreibefreiung für den eigenen Sohn. 1867 haben 18 Schüler die Schule besucht: vier Schüler in Klasse I, sechs in Klasse II und acht in Klasse III. Am 27. Dezember 1867 kam es zu einer neuen Entwicklung. Rektor Parensen teilte dem Kuratorium der Rektoratsschule mit, "dass er am 1. April 1868 Steinheim verlassen werde, um in einen anderen Wirkungskreis zu treten". Ihm war die provisorische Verwaltung einer Vikarie an der Probsteikirche zu Erfurt übertragen worden. Das Generalvikariat Paderborn setzte darüber den Steinheimer Magistrat in Kenntnis und fragte nach, ob die Fortführung der Rektoratsschule durch einen anderen Geistlichen gewünscht sei. Der bat darum, einen anderen tüchtigen Geistlichen zu schicken. Gleichzeitig wurde in Aussicht gestellt, dass Kaplan Pieper ab April 1868 den Unterricht an der Schule verstärken werde.

Warum Parensen Steinheim verlassen hat, ist nicht bekannt. Möglicherweise gaben dafür auch die sinkenden Schülerzahlen den Ausschlag. Nachfolger sollte Heinrich Vollbert Sauerland aus Dortmund werden, eine interessante Persönlichkeit, der auch der rote Kaplan genannt wurde.

Der Stundenplan 1864/1865 war von der preußischen Regierung in Minden genehmigt worden. Er zeigt, wie anspruchsvoll die Fächer bereits waren, die Schüler lernten neben Latein auch Französisch.

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